
Wann: Samstag, 24.01.2026, 17:00 Uhr,
Wo: AKEBI e.V. – Böckhstraße 24, 10967 Berlin
Homo Politicus
Kurzfilm (2015), 20′,
von Hacı Orman
Filmvorführung mit anschließender Diskussion mit dem Regisseur Hacı Orman und Tessa Hofmann
Der Film »Homo Politicus« erzählt von einem historischen Moment, der bis heute nachwirkt. Im Jahr 1915 steht Europa am Rande einer Katastrophe. Der Erste Weltkrieg wütet mit all seinen Schrecken. Doch auch im Osmanischen Reich kommt es zu einem bis dahin beispiellosen Gewaltexzess. Das Volk der Armenier soll systematisch vertrieben und ermordet werden. Daher reist der Humanist und Theologe Johannes Lepsius (Peter von Strombeck) zu einem Treffen mit dem osmanisch-jungtürkisches Kriegsminister Ismail Enver (Mehmet Yilmaz), um sich mit ihm über die Lage der Armenier im Osmanischen Reich auszutauschen. Ein Gespräch, das auch die Grenzen einer Kritik der Unmenschlichkeit aufzeigt und Franz Werfel in seinem Roman »Die vierzig Tage des Musa Dagh« ein literarisches Denkmal gesetzt hat.
Nach dem Film wollen wir gemeinsam mit dem Regisseur Hacı Orman und der Genozidforscherin Tessa Hofmann, moderiert von Öndercan Muti, über Möglichkeiten und Herausforderungen ziviler Hilfe unter Kriegs- und Genozidbedingungen diskutieren. Außerdem sprechen wir darüber, wie Erinnerungskultur in einer postmigrantischen Gesellschaft neue Perspektiven eröffnet. Welche Funktionen übernehmen Zeugenschaft und Solidarität in einer pluralen Gesellschaft, die sich kritisch mit ihrer historischen Vergangenheit auseinandersetzt?
Über Redner*innen
Hacı Orman
Geboren 1972 in der Türkei. Er arbeitete für mehrere Zeitungen und Radios, u. a. als Chefredakteur des “Speaking Magazine”, des ersten türkischen Kunstmagazins für Sehbehinderte. Er hat als Bildungsexperte für Menschenrechte und Kulturpolitik bei mehreren NGOs innerhalb der Europäischen Union gearbeitet. Zweimal wurde er aus politischen Gründen inhaftiert. Er drehte den Kurzfilm HOMO POLITICUS (2015), der für das Programm 2023 des Historischen Museums Lausanne ausgewählt wurde. Er drehte seinen ersten Spielfilm ERBLINDUNG (2021). Er verliess die Türkei im Jahr 2021, da ihm eine Haftstrafe von insgesamt 25 Jahren drohte. Er lebt derzeit in der Schweiz. Sein Roman Heimatlos, über das Leben von Stefan Zweig und Lotte Zweig, wurde 2022 veröffentlicht.
Dr. Tessa Hofmann
Dr. Tessa Hofmann (geb. 1949) ist eine international anerkannte Armenologin, Soziologin, Genozidforscherin und Menschenrechtsaktivistin. Sie studierte Slavistik, Armenistik und Soziologie an der Freien Universität Berlin und ist langjähriges Mitglied der Gesellschaft für bedrohte Völker sowie Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Anerkennung“ – gegen Genozid, für Versöhnung. Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurde sie am 20. Oktober 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich für die Anerkennung des Völkermords an Armeniern, Assyrern/Aramäern und Pontosgriechen im Osmanischen Reich.
Sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zu armenischer Geschichte und Kultur sowie Herausgeberin wichtiger Werke zur Genozidforschung. Ihr jüngstes Werk trägt den Titel Der Genozid an den indigenen Christen des Osmanischen Reiches.
Organisiert von AKEBI e.V.( AktivistInnenvereinigung gegen Rassismus, Nationalismus und Diskriminierung) und AGA e.V. (Arbeitsgruppe Anerkennung – Gegen Genozid, für Völkerverständigung)
Gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen des Partizipations- und Integrationsprogramms.

